Das Meridiansystem in der TCM

Das Meridiansystem in der TCM
Das Meridiansystem in der TCM
Linien, Kanalsystem, Straßennetz – es gibt verschiedene Bilder, mit denen die TCMLexikon sich die Meridiane vorstellt. Als Geflecht von Energiebahnen durchziehen sie den Körper und lassen die Lebensenergie Qi strömen. Für die Existenz der Meridiane gibt es nach westlich-wissenschaftlichen Maßstäben bis heute keinen eindeutigen Beleg. In der traditionellen chinesischen Medizin haben sie gleichwohl seit etwa 2000 Jahren eine zentrale Bedeutung. Der Begriff Meridian lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Er wurde von westlichen Besuchern in China eingeführt, die beim Anblick eingezeichneter Linien in Akupunkturmodellen an das von Landkarten bekannte Orientierungssystem dachten, die Meridiane. Im Chinesischen heißen sie Jing Luo: Jing steht für „leiten“ oder „durchqueren“, Luo lässt sich als „netzförmiges Gebilde“ übersetzen. So ist der Begriff Leitbahn eigentlich zutreffender und eindeutiger als der Begriff Meridian, der sich im hiesigen Sprachgebrauch allerdings fest etabliert hat. Das in den Meridianen fließende Qi ist zuständig für die Regulation aller körperlichen und geistigen Funktionen. Kommt es zu Störungen oder Blockaden, wird das mit dem jeweiligen Meridian verbundene Organsystem geschwächt, sodass Krankheiten entstehen können. Die Akupunkturpunkte sind über die Meridiane mit den Organen verbunden. Deshalb treten Organschwächungen beispielsweise als Druckschmerz oder Hautveränderung an bestimmten Punkten zutage. Ebenso bewirkt die Behandlung der Meridiane mittels Akupunktur, dass das Qi wieder ungehindert fließen kann und damit alle Organe optimal mit Lebensenergie versorgt werden.


Zwölf Hauptmeridiane

Fast alle Akupunkturpunkte befinden sich auf diesen zwölf Hauptmeridianen (gebräuchliche Abkürzung jeweils in Klammern):

• Lungen-Meridian (Lu)
• Dickdarm-Meridian (Di)
• Magen-Meridian (Ma)
• Milz-Pankreas-Meridian (MP)
• Herz-Meridian (He)
• Dünndarm-Meridian (Dü)
• Blasen-Meridian (Bl)
• Nieren-Meridian (Ni)
• Pericard-Meridian (Pc), auch als Herz-Kreislauf (KS) bezeichnet
• Dreifach-Erwärmer-Meridian (3E)
• Gallenblasen-Meridian (Gb)
• Leber-Meridian (Le)

Unterschieden werden Yin- und Yang-Meridiane, die jeweils zusammen ein Meridianpaar bilden. Jedes der Meridianpaare ist einer der fünf Wandlungsphasen zugeordnet. Diagnostisch und therapeutisch sind diese Zusammenhänge von großer Bedeutung, da energetische Ungleichgewichte in einem Organsystem sowohl Yin- als auch Yang-Anteile haben können, die es auszugleichen gilt. Hier eine Übersicht über die Zugehörigkeit der Meridianpaare zu den Wandlungsphasen:
 
WandlungsphaseYin-MeridianYang-Meridian
MetallLunge (Lu)   

Dickdarm (Di)

ErdeMilz-Pankreas (MP)Magen (Ma)
FeuerHerz (He)Dünndarm (Dü)
WasserNiere (Ni)Blase (Bl)
FeuerPericard (Pc)

Dreifach-Erwärmer (3E)

HolzLeber (Le)    

Gallenblase (Gb)



Zusätzlich zu den zwölf Hauptmeridianen gibt es acht außerordentliche Meridiane, darunter Gouverneur/Lenkergefäß (Du Mai) und Konzeptionsgefäß (Ren Mai) mit eigenen Akupunkturpunkten, während die sechs weiteren Meridiane die zwölf Hauptmeridiane an einigen ihrer Punkte kreuzen.
 

Organuhr – der Kreislauf der Meridiane


Die Energie Qi zirkuliert nicht permanent auf gleichem Niveau durch die Meridiane, sondern unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. So lassen sich für jeden Meridian und damit für jedes Organsystem Zeiten eines besonders hohen und besonders niedrigen energetischen Niveaus von jeweils etwa zwei Stunden Dauer feststellen. Dies wird als Kreislauf der Meridiane oder auch als Organuhr bezeichnet. Eine besonders gute Leistungsfähigkeit zu einer bestimmten Tageszeit, ein plötzlicher Anflug von Müdigkeit oder auch wiederkehrende Wachphasen in der Nacht sind Anzeichen dafür, dass Beschwerden mit einem Organsystem in Zusammenhang stehen. Dementsprechend werden Fülle- oder Leere-Zustände in den Leitbahnen beobachtet und therapiert.