Das Prinzip von Yin und Yang

Das Prinzip von Yin und Yang
Das Prinzip von Yin und Yang
Das chinesische Zeichen von Yin und Yang gehört wohl zu den bekanntesten Symbolen überhaupt. Das dunkle Yin und das helle Yang kreisen dort umeinander, sie ergänzen sich und tragen – symbolisiert durch die beiden Punkte – jeweils Anteile des anderen in sich. Das Yin-Yang-Konzept ist keinesfalls ausschließlich auf die traditionelle chinesische Medizin (TCMLexikon) bezogen, sondern ist die wichtigste Lehre der chinesischen Philosophie. Das Begriffspaar wird im I-Ging (Buch der Wandlungen), dem ältesten der klassischen chinesischen Texte, erstmals ausführlich dokumentiert. Philosophisch betrachtet stehen Yin und Yang für ein Gegensatzpaar, wobei die beiden Gegensätze sich nicht ausschließen, sondern einander vielmehr ergänzen, sich gegenseitig bedingen und zusammen eine Einheit bilden. Ganz konkret bedeutet Yin die schattige Seite eines Hügels, Yan die sonnige Seite. Aus der Sicht der chinesischen Gelehrten haben alle Dinge der Welt sowohl Yin- als auch Yang-Eigenschaften, und erst das Ungleichgewicht bringt die dominierenden Anteile zum Vorschein. Ein reines oder absolutes Yin beziehungsweise Yang gibt es demnach nicht; Wärme und Kälte, Helligkeit und Dunkelheit, Aktivität und Ruhe sowie unzählige weitere Gegensatzpaare werden erst in Relation zueinander erfahrbar und sind zudem einer ständigen Umwandlung unterworfen. Ein weiterer bedeutsamer Aspekt ist die Wertfreiheit beider Polaritäten – in der TCMLexikon ist also nicht die eine Seite „besser“ als die andere.

Von der Philosophie zur Medizin


Auch im menschlichen Lebenszyklus, in diversen körperlichen Prozessen wie etwa bei Verdauung, Stoffwechsel und Atmung sowie auch in der Funktionsweise der Organe selbst findet sich das Wechselspiel von Yin und Yang wieder, und so berührte der philosophische Gedanke in China schnell auch das Fachgebiet der Medizin. Zu den grundlegenden Aufgaben der TCMLexikon gehört es, das Gleichgewicht im Yin und Yang herzustellen, denn nur dann ist die Lebensenergie Qi in der Lage, ungehindert durch den Körper zu fließen. Jedem Symptom und jeder Krankheit liegt demzufolge eine Dysbalance zwischen Yin und Yang zugrunde, wobei es für den Therapeuten immens wichtig zu wissen ist, worin genau die Störung besteht. Neben dem ausgeglichenen Verhältnis von Yin und Yang kennt die TCMLexikon das Überwiegen des Yin, das Überwiegen des Yang, eine Schwäche des Yin sowie eine Schwäche das Yang. Es mag ähnlich klingen, aber die Schwäche der einen Seite ist nicht gleichzusetzen mit dem Überwiegen der anderen Seite – was für die Suche nach den Ursachen und für den therapeutischen Weg von großer Bedeutung ist. Eine TCM-Behandlung zielt dementsprechend entweder auf eine Stärkung des Yang bzw. des Yin oder auf eine Beseitigung eines Übermaßes bei Yang bzw. Yin ab. Beachtet werden zudem der Verlauf einer Krankheit – chronische Prozesse deuten eher auf ein Überwiegen des Yin hin, während akute Verläufe mit zu viel Yang einhergehen – sowie die Frage, ob eher transformierende Yang-Organe (zum Beispiel Magen und Darm) oder eher speichernde Yin-Organe wie Milz und Leber betroffen sind.

Viele Ursachen für Ungleichgewichte


Die Gründe, weshalb es überhaupt zu einem Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang im menschlichen Körper kommt, sind gemäß der TCMLexikon vielfältig und bedürfen der exakten therapeutischen Analyse, um erfolgreich behandelt werden zu können. Dazu gehören die erblich bedingte Konstitution, der emotionale Zustand und eventuelle traumatische Erlebnisse, die Ernährung – sowohl die Wahl der Nahrungsmittel als auch die Essenszeiten – und Umwelteinflüsse ebenso wie Genussmittel und Drogen. Die Berücksichtigung dieser Faktoren hilft dabei, die individuell passende therapeutische Maßnahme auszuwählen, um Yin und Yang wieder in Harmonie bringen zu können.