Massagetechniken in der TCM

Massagetechniken in der TCM
Massagetechniken in der TCM
Die heilende Kraft der Berührung ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. „Handaufleger“ gab es in allen Kulturen schon vor vielen Jahrtausenden. Jeder Mensch kennt den intuitiven Reflex, die eigenen Hände auf eine schmerzende Stelle zu legen, darüberzustreichen, auf diese Weise eine schnelle Linderung herbeizuführen und sich eine „Behandlung“ im wahrsten Wortsinne angedeihen zu lassen. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCMLexikon) spielt diese Form der Therapie eine wichtige Rolle. Die Massagekunst namens Tuina Anmo ist eine der fünf Säulen der TCMLexikon und von ebenso großer Bedeutung wie Akupunktur, Arzneimitteltherapie, Ernährungslehre und Bewegungstherapie. Sie war bereits vor mindestens 2000 bis 3000 Jahren sehr weit entwickelt und wurde damals wie heute als selbstständige Behandlungsmethode eingesetzt.
 

Schieben, Greifen, Drücken, Reiben


Tuina Anmo wird meist kurz als Tuina bezeichnet. Der Name entstand aus vier Begriffen für die wesentlichen Behandlungstechniken: Tui bedeutet Schieben, Na steht für Greifen oder Anheben, An heißt Drücken und Mo ist der Ausdruck für Reiben oder Streichen. Die Tuina-Techniken entwickelten sich parallel zu den Erkenntnissen der TCMLexikon über das Meridiansystem und den idealen Fluss der Lebensenergie Qi immer weiter und bieten heute komplexe Anwendungsmöglichkeiten bei verschiedenen Indikationen. Klassisch sind der Bereich der Orthopädie, degenerative und chronische Erkrankungen sowie Schwächezustände. Wie bei den anderen vier Säulen der TCMLexikon besteht auch bei der Massagetechnik das oberste Ziel darin, das Qi ungehindert und harmonisch durch den gesamten Körper fließen zu lassen. Stagnationen und Einschränkungen des Qi werden als die Ursache von Krankheiten angesehen.
 

Tuina: Sanft bis kraftvoll


Die Tuina-Behandlung setzt an einer gründlichen Untersuchung an, die klassische Elemente wie die Zungen- und Pulsdiagnostik ebenso umfasst wie die Anamnese und die Beurteilung der Ergebnisse moderner diagnostischer Verfahren. Das Berühren einzelner Körperregionen und die Wahrnehmung von Haut- und Gewebebeschaffenheit geben dem Tuina-Therapeuten Aufschluss über den Zustand des Qi seines Patienten. In die Massage werden neben den Meridianen und den auf ihnen liegenden Akupunkturpunkten weitere Körperpunkte einbezogen. An den Sehnen, Bändern, Gelenken und Muskeln wird bei Bedarf gearbeitet – in diesem Bereich ähnelt Tuina der bekannten westlichen Massage. Elemente der Physiotherapie fließen bei passiven und aktiven Bewegungsübungen ein, und erfahrene Tuina-Therapeuten wenden mobilisierende Griffe an, die mit der Chiropraktik verwandt sind. Der exakte Verlauf der Massage richtet sich nach der Diagnose und der Konstitution des Patienten. Das Spektrum reicht von sehr sanften bis hin zu kraftvollen Griffen.
 

Qi und Blut im Fluss


Die Harmonisierung des Qi-Flusses wurde bereits betont. Tuina verfolgt zudem das Ziel, die Blutzirkulation im Körper anzuregen. Die TCMLexikon spricht dabei vom „Xue“, was wörtlich übersetzt dem Blut entspricht, in der TCMLexikon allerdings umfassender gemeint ist und den flüssigen Teil der Körperenergie bezeichnet, also etwa auch die Lymphflüssigkeit und die Flüssigkeit im extrazellulären Raum. Insgesamt wird angestrebt, alle Organe, Yin und Yang und die Fünf Elemente mittels Tuina in einen harmonischen Zustand zu versetzen. Je nach Durchführung kann Tuina durchwärmend oder eher kühlend wirken, sie kann tonisieren oder entspannen, aktivieren oder beruhigen. Eine Kombination mit einer Akupunkturbehandlung ist in vielen Fällen ratsam. Darüber hinaus profitieren auch Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen vom Wellness-Charakter einer Tuina-Behandlung – übrigens kleine Kinder ebenso wie alte Menschen. Regelmäßige Anwendungen haben einen hohen prophylaktischen Wert und sind ganz einfach wertvoll für den Erhalt der Gesundheit von Körper und Geist.