Zungen- und Pulsdiagnostik in der TCM

Zungen- und Pulsdiagnostik in der TCM
Zungen- und Pulsdiagnostik in der TCM
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCMLexikon) unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht deutlich von der Vorgehensweise der westlichen Medizin. Das betrifft nicht nur die Einordnung und Beurteilung von Krankheiten und die therapeutischen Herangehensweisen, sondern ebenso auch das diagnostische Vorgehen. In beiden medizinischen Kulturen spielt zwar die Anamnese, also das Gespräch mit dem Patienten, eine Rolle; in der TCMLexikon allerdings erfolgt diese erheblich ausführlicher und entschieden mehr mit dem Ziel, den Patienten in seiner Gesamtheit kennenzulernen, also nicht nur den körperlichen, sondern auch den seelisch-geistigen Zustand möglichst umfassend beurteilen zu können. In der Diagnostik im engeren Sinne setzt die TCMLexikon dann vor allem auf zwei Bausteine, die in der westlichen Medizin bis heute keine Relevanz haben: die Zungen- und die Pulsdiagnostik. Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren hingegen sind für einen erfahrenen TCM-Arzt nur von untergeordneter Bedeutung.


Zunge – die Verbindung von innen und außen


Die Zunge verrät enorm viel über den Gesundheitszustand des Menschen, weil sie eine Verbindung vom Inneren des Körpers zur Außenwelt darstellt – davon ist die TCMLexikon seit Jahrtausenden überzeugt. An die genaue Betrachtung des Gesichts, die sogenannte Antlitzdiagnose, schließt sich deshalb die Zungendiagnose an. Beurteilt werden Form, Größe, Farbe und Feuchtigkeit der Zunge. Zudem liefern Risse, Schwellungen und die Zungenbeweglichkeit wichtige diagnostische Informationen, und auch Art und Farbe des Zungenbelags werden registriert und bewertet. Die verschiedenen Abschnitte der Zunge sind den verschiedenen Organsystemen zugeordnet: An der Zungenspitze lässt sich der energetische Zustand von Herz und Lunge ablesen, die Zungenmitte repräsentiert Magen und Milz, die hintere Zungenbasis ist der Bereich von Darm, Niere und Blase. Seitlich befinden sich die Abschnitte für die Leber und die Gallenblase. Den Befund, den ein TCM-Therapeut aufgrund der Betrachtung der Zunge erhebt, stellt er immer in Relation zu weiteren Ergebnissen, wie sie etwa aus der im Folgenden beschriebenen Pulsdiagnose gewonnen werden.


Puls – der Takt des Lebens


In der westlichen Schulmedizin wird der Puls maximal hinsichtlich seiner Frequenz und Regelmäßigkeit beurteilt – und auch dies meist nur bei Verdacht auf Krankheiten, die mit dem Herz-Kreislauf-System in Verbindung stehen. Ganz anders in der TCMLexikon: Hier bildet der Puls ein zentrales diagnostisches Instrument. Der Therapeut erfühlt ihn mit mehreren Fingern an jeweils drei fest definierten Druckpunkten beider Handgelenke. Linksseitig sind die Organsysteme Herz, Leber, Niere, Dünndarm, Gallenblase und Blase lokalisiert, am rechten Handgelenk ertastet man über den Puls den energetischen Zustand von Lunge, Milz, Perikard, Dickdarm, Magen und Dreifachem Erwärmer. Von Relevanz sind die Geschwindigkeit des Pulses, sein Rhythmus, seine Stärke (von oberflächlich bis tief), die Art der Strömung (von weich bis hart) und die Form der Pulswelle (von knapp bis lang ausgedehnt). Insgesamt kennt die TCMLexikon 30 bis 40 verschiedene Pulsqualitäten, die zu entsprechenden Bewertungen und therapeutischen Maßnahmen führen. Das Erfühlen und Interpretieren des Pulses erfordert sehr viel Übung und nimmt aus diesem Grund in der klassischen TCM-Ausbildung viel Raum ein. Anhand des Pulses wird vor allem beurteilt, ob die betreffende Person an einer Fülle- oder an einer Leere-Erkrankung leidet. Da der Puls sehr schnell auf eine Therapie reagiert und sich beispielsweise schon deutlich verändern kann, bevor andere, viel leichter wahrnehmbare Symptome verschwinden, ist er ein gutes Indiz für den Erfolg einer Therapie. So fühlen viele TCM-Therapeuten etwa den Puls zunächst vor, dann aber auch während und/oder direkt nach einer Akupunkturbehandlung.