Angehörige und Alzheimer Patienten

Was können Angehörige für Alzheimer Patienten tun?      


Über die Hälfte der Menschen mit Alzheimer-Demenz werden von ihren Angehörigen versorgt. Diese übernehmen eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich über  viele Jahre hinzieht. Es gibt keine Patentrezepte für den Umgang mit Alzheimer-Betroffenen. Einige Verhaltensregeln haben sich jedoch in vielen Familien bewährt. Die Probleme, die  im Zusammenleben mit einem Alzheimer-Kranken auftreten, sind von Fall  zu Fall verschieden. Sie werden bestimmt von der Persönlichkeit des Patienten, vom Stadium der Krankheit, von den äußeren Lebensumständen, aber auch von den besonderen Fähigkeiten und Schwächen der zu versorgenden Person. Ebenso individuell müssen die Lösungen der Probleme sein.


Wissen über die Krankheit erwerben


Pflegende Angehörige müssen sich so gründlich wie möglich über die Krankheit informieren. Dieses Wissen verleiht Sicherheit im Zusammenleben mit dem Kranken. Es bewahrt vor Enttäuschungen, aber auch vor unangebrachter Resignation. Hilfreich sind hier unter anderem die Ratgeber und Broschüren der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V., die Sie unter www.alzheimer-forschung.de oder www.deutsche-alzheimer.de abrufen können.


Die persönliche Würde wahren


Den Kranken muss man so annehmen, wie er ist. Er kann sich nicht ändern. Die Angehörigen müssen lernen, die Bedürfnisse und Wünsche des Patienten, aber auch seine subjektive Weltsicht wahrzunehmen und anzuerkennen. Andererseits müssen sie sich darin üben  kritische Äußerungen und unnötige Zurechtweisungen zu vermeiden.


Eigenständigkeit erhalten


Eigenständigkeit ist eine Wurzel von Selbstachtung und Lebenszufriedenheit bei  Gesunden und Kranken. Deswegen darf man dem Patienten nicht alle Aufgaben abnehmen, nur weil sie ihm schwerer fallen als früher oder weil andere Personen sie besser ausführen können. Durch Vereinfachung der Kleidung, Aufteilung der Handlungen in einzelne Schritte, und geeignete Hilfestellung lässt sich oft erreichen, dass der Patient bei vielen Aufgaben des Alltags länger alleine zurechtkommt und damit das Gefühl  der Eigenständigkeit behält.


Kontinuität und Tagesstruktur


Behalten Sie liebe Gewohnheiten bei. Vertraute Menschen, Dinge und Erinnerungsstücke an die gemeinsame Vergangenheit sind für Demenz-Kranke wichtiger als die Gegenwart, in der sie sich nicht mehr zurechtfinden.


Besonders wichtig ist eine klare Tagesstruktur: Alzheimer-Patienten finden sich besser zurecht, wenn sie zu regelmäßigen Zeiten morgens aufstehen und abends zu Bett gehen. Die Mahlzeiten sollten möglichst jeden Tag zur selben Zeit eingenommen werden. Ebenso empfehlenswert ist ein täglicher Spaziergang zur selben Zeit oder ein Besuch bei Freunden. Das richtige Maß an Aktivität und Pausen gibt dem Tag eine Struktur, die das Vor-sich-hin-Dösen aus Langeweile verhindert.


Gedächtnistraining


Das Gedächtnistraining ist für gesunde ältere Menschen hilfreich, nicht für Demenzkranke. Sie werden dadurch nur frustriert. Geistige Aktivierung mit  dem Ziel der Nutzung – nicht Verbesserung – vorhandener Fähigkeiten, erhöht aber auch bei Alzheimer-Patienten Wohlbefinden und Selbstvertrauen. Eine solche Anregung lässt sich schon durch Gespräche über Tagesereignisse oder über angenehme Erinnerungen erreichen. Spiele können eingesetzt werden, dürfen den Patienten aber nicht beschämen.


Orientierungshilfen geben


Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, Hinweisschilder in der Wohnung, helles Licht und Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht, erleichtern es dem Kranken sich zurechtzufinden. Es ist auch  empfehlenswert, Gewohnheiten des Kranken nach Möglichkeit beizubehalten. Allzu viele Sinneseindrücke können den Patienten verwirren (laufender Fernsehapparat, Musik aus dem Radio, Spiegel).


Mit problematischen Verhaltensweisen zurechtkommen


Viele problematische Verhaltensweisen von Demenzkranken sind verständliche Reaktionen. Ängstlichkeit, Anhänglichkeit und ständig wiederholte Fragen können aus Ratlosigkeit entspringen, Aggressivität und Wutausbrüche aus Frustration oder Überforderung, Depression und Rückzug aus einem Mangel an Aktivität und Zuspruch. Es ist wichtig, solche auslösende oder begünstigende Faktoren zu erkennen und zu beseitigen.


Suchen Sie den emotionalen Kontakt über Blicke, Gesten und Berührungen. Versuchen Sie ohne Worte zu kommunizieren, wenn die sprachliche Verständigung immer schwieriger wird. Sie vermitteln so das Erlebnis von Nähe zwischen zwei Menschen und fördern die Speicherung von Informationen im Gehirn. Jede Information, die mit Gefühlen einhergeht, wird besser behalten.


Reagieren Sie gelassen auf Ängstlichkeit oder Aggressivität Ihres Angehörigen und nehmen Sie sie nicht persönlich. Meistens sind die Betroffenen nur ratlos oder verunsichert - und wollen Sie keinesfalls schikanieren.


Gefahrenquellen ausschalten


Dazu zählen Elektro- und Gasgeräte, Treppen und Badezimmer, lockere und unebene Bodenbeläge, Medikamente und Putzmittel. Die Anschrift des Patienten in der Kleidung, auf einem Kettchen oder Armband, geben Aufschluss über den Wohnort, falls sich der Betroffene verirrt oder von zuhause wegläuft. Es ist ratsam Nachbarn, Freunde und Bekannte über die Krankheit zu informieren. Geben  Sie Ihrem Angehörigen ein Maximum an Sicherheit, aber lassen Sie ihn auch gewähren und genießen. Für sein Selbstwertgefühl braucht er eigene Erlebnis- und Aktivitätsräume. Bedenken Sie außerdem: Leben ist immer mit Risiko verbunden. Finden Sie einen vernünftigen Kompromiss zwischen Sicherheit und Freiheit.


Vergessen Sie nicht sich selbst


Haushalten Sie mit Ihren Kräften. Wenn Sie sich Erholungspausen verschaffen oder Ihren eigenen Interessen nachgehen, ist das kein Grund für Schuldgefühle. Nur, wenn Sie sich selbst wertschätzen und pflegen, haben Sie ausreichend Energie, um Ihre Angehörigen auch über einen längeren Zeitraum versorgen zu können. Holen Sie sich Hilfe von außen. Das ist kein Eingeständnis von Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit. Gespräche mit anderen Angehörigen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, geben Anregungen und neuen Mut.


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