Bewegungstherapien in der TCM

Bewegungstherapien in der TCM
Bewegungstherapien in der TCM
Bewegung als Behandlungsmethode? Was hierzulande erst nach und nach ins Bewusstsein rückt, ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit jeher eine der fünf grundlegenden Säulen der Therapie – neben der Akupunktur, der Arzneitherapie, der Massage und der Ernährung. Und wie bei jeder dieser Säulen in der TCMLexikon geht es auch bei der Bewegung primär um die Harmonisierung des Energieflusses in den Meridianen, also um das ungehinderte Strömen der Lebensenergie Qi.

Vom Tanz zur Therapie

Man geht davon aus, dass sich die chinesische Bewegungstherapie aus dem traditionellen Tanz entwickelt hat. Unter dem Oberbegriff Qi Gong, der als „Arbeit mit dem Qi“ übersetzt werden kann, haben sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Techniken entwickelt, die mal etwas mehr den meditativen und mal etwas mehr den sportlichen Aspekt in den Vordergrund stellen; besonders bekannt ist etwa das Taijiquan, auch als Tai Chi bezeichnet. Spezielle Übungen verfolgen verschiedene Ziele: Zum einen geht es wie bereits erwähnt darum, die körpereigene Energie zum Fließen zu bringen. Die Bewegungstherapie soll darüber hinaus aber auch die Gelenke mobilisieren, die Muskulatur stärken und das Herz-Kreislauf-System moderat fordern. Das dritte wesentliche Element ist die Konzentration bei der Ausführung der Übungen, die den Geist zur Ruhe kommen lässt, die Sinne schärft, für mentale Ausgeglichenheit sorgt und die psychische Belastbarkeit steigert. Je nach Übung können bestimmte Organe und Meridiane gezielt angeregt oder beruhigt werden.

Aktiv sein

Mit der Bewegungstherapie erhält der Patient die Möglichkeit, aktiv etwas für den Erhalt oder die Verbesserung seines Gesundheitszustands zu tun – sowohl auf körperlicher als auch auf seelisch-geistiger Ebene. Die Ausführung der meist nicht übermäßig anstrengenden, aber sehr bewussten Bewegungen erfolgt ruhig, weich und fließend, geht mit kontrollierter Atmung einher und hat dadurch einen deutlich meditativen Charakter. Bei regelmäßigem Training ist eine positive Wirkung sowohl in Bezug auf die Verbesserung von Heilungsprozessen als auch für die allgemeine Stärkung der Konstitution zu erzielen, wie klinische Untersuchungen belegen konnten. Gleichgewicht, Beweglichkeit und Kraft werden gefördert, und sogar eine Anregung des Immunsystems und eine Verringerung des Schmerzempfindens ist möglich. Die Übungen können in der Gruppe oder allein ausgeführt werden und eignen sich für Kinder ebenso wie für alte Menschen, die bereits körperliche Einschränkungen mitbringen.

Bewegung ist Leben

Schon Leonardo da Vinci wusste: „Alles Leben ist Bewegung, Bewegung ist Leben.“ Zu seinen Lebzeiten gehörte Qi Gong in China längst zum gesundheitsbewussten Alltag. Ob moderat oder dynamisch ausgeübt, ob als Tai Chi, Bagua Zhang, Shaolin oder in welcher Variante der asiatischen Kampfkünste auch immer: Qi Gong ist immer Bewegung, die Blockaden und Stagnationen aufzulösen vermag. In China sind die verschiedenen Qi-Gong-Formen Volkssport, der von jedermann, überall und jederzeit praktiziert wird. Es heißt, Qi-Gong-Übungen gebe es wie „Sand am Meer“ oder wie „Sterne am Himmel“. Jeder Lehrer vermittelt die Übungen ein wenig anders, entwickelt Variationen und Abfolgen und hat seinen individuellen Stil. Im Idealfall integriert man einzelne Übungen, die zur individuellen Gesundheitssituation und zu den anvisierten Zielen am besten passen, fest in die Tagesroutine. So unterstützt man das Fließen des Qi mehrmals täglich, auch wenn dafür jeweils nur für wenige Minuten zur Verfügung stehen. Die inneren Organe profitieren ebenso wie der Bewegungsapparat und die Psyche.