Vorsorgevollmacht: Selbst entscheiden

Vorsorgevollmacht: Selbst entscheiden
Vorsorgevollmacht: Selbst entscheiden
Das neue Jahr ist noch ganz jung und viele von uns haben sicherlich gute Vorsätze für 2012 gefasst. Häufig geht es dabei um Dinge wie sich gesünder zu ernähren, mehr Sport zu treiben, weniger zu rauchen oder ganz mit dem Rauchen aufzuhören.

Aber viel zu wenige Menschen in Deutschland denken daran Vorsorge für weniger gute Zeiten zu treffen – nämlich für den Fall, dass sie infolge eines Unfalls, einer schweren Erkrankung oder auch durch das Nachlassen der geistigen Kräfte im Alter ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst wie gewohnt regeln können. Dabei ist in anderen Bereichen Vorsorge selbstverständlich – so bei der finanziellen Absicherung durch Vermögensbildung oder Versicherungen vielfältiger Art. Allerdings sollte sich jeder auch einmal die Frage stellen, wer im Ernstfall Entscheidungen für ihn treffen soll, wenn er selbst vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr hierzu in der Lage ist, und wie seine Wünsche und Vorstellungen Beachtung finden können.

Diese Frage wird von vielen verdrängt oder auf „später“ hinausgeschoben. Dabei kann niemand sicher davor sein, vielleicht schon morgen durch einen schweren Unfall dauerhaft das Bewusstsein zu verlieren und darauf angewiesen zu sein, dass ein anderer für ihn spricht.


Rechtzeitig Vorsorgen



Wir alle sollten uns z.B. mit folgenden Fragen einmal gedanklich befassen: Was wird, wenn ich auf die Hilfe anderer angewiesen bin? Wer handelt und entscheidet für mich? Wer verwaltet mein Vermögen? Wer erledigt meine Bankgeschäfte? Wer entscheidet bei Operationen und medizinischen Maßnahmen? Wer organisiert für mich nötige ambulante Hilfen? Wer sucht für mich einen Platz in einem Senioren- oder Pflegeheim? Wer kündigt meine Wohnung oder meinen Telefonanschluss? Wer kümmert sich um meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse? Dies sind nur einige von vielen Gesichtspunkten, die Sie beschäftigen sollten.

Aber ich habe doch Angehörige! Mein Ehepartner oder meine Kinder werden sich doch um mich kümmern?

Natürlich werden Ihre Angehörigen Ihnen im Ernstfall beistehen. Wenn aber rechtsverbindliche Erklärungen oder Entscheidungen gefordert sind, dürfen Ehegatte oder Kinder Sie nicht gesetzlich vertreten. In unserem Recht haben nur Eltern gegenüber ihren minderjährigen Kindern ein umfassendes Sorgerecht und damit die Befugnis zur Entscheidung und Vertretung in allen Angelegenheiten. Für einen Volljährigen hingegen können Angehörige nur in zwei Fällen entscheiden oder Erklärungen abgeben: Entweder aufgrund einer rechtsgeschäftlichen Vollmacht oder wenn sie gerichtlich bestellter Betreuer sind.


Die Selbstbestimmung erhalten



Eine Vorsorgevollmacht ermöglicht Ihnen ein hohes Maß an Selbstbestimmung. Sie benennen eine oder mehrere Personen Ihres Vertrauens, die bereit sind, für Sie im Bedarfsfall zu handeln. Hierbei können sie sich von Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen leiten lassen sowie zusätzlich Anweisungen geben, wie Ihre Angelegenheiten geregelt werden sollen. Es ist sehr zweckmäßig, nach Möglichkeit die gewünschten Bevollmächtigten (z.B. Angehörige oder Freunde) bereits bei der Abfassung der Vollmacht mit einzubeziehen.
Schon aus Gründen der Klarheit und der Beweiskraft ist eine schriftliche Abfassung der Vorsorgevollmacht notwendig. Die Vollmacht braucht nicht handschriftlich erstellt werden, Ort, Datum und vollständige eigenhändige Unterschrift dürfen jedoch keinesfalls fehlen. Sehr gute Informationen und Vordrucke erhalten Sie über das Bundesministerium der Justiz.

Zur genauen Formulierung einer Vorsorgevollmacht ist es sicherlich günstig einen Rechtsanwalt oder Notar aufzusuchen, dieser kann Sie auch darüber beraten, ob in Ihrem Falle die Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung die bessere Lösung ist. Auch die Frage, wo die Vollmacht aufbewahrt werden soll und ob sie evtl. im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotar-Kammer registriert werden soll wird Ihnen dort beantwortet.

Der Wert einer guten Vorsorge für den Ernstfall kann nicht hoch genug eingeschätzt werden – für Angehörige, Ärzte, aber nicht zuletzt auch für den Betroffenen selbst.


Ihre Gesellschaft für Vitalpilzkunde e.V.

Quellen:„Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter“ Verlag C.H. Beck
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.